Ein Leben ohne Pferd unvorstellbar

 

Heidrun Riedner berichtet über ihren reiterlichen Lebensweg

Vor genau 60 Jahren hat die damals 17jährige Heidrun Riedner (geb. Kramer) ihr erstes Pferd von ihren Eltern geschenkt bekommen. "Ich kann mich noch genau erinnern" – „An Heiligabend, sagte meine Mutter wir gehen zu den Pferden, und füttern ein paar Karotten zu Weihnachten.“ Die Familie stieg ins Auto und fuhr zum Schloss Hellenstein in Heidenheim. Da stand sie nun, eine 12-jährige braune Würtenberger Stute, die auf den Namen „Gerdi“ hörte. "Mein Vater wollte damals, dass mein Bruder Walter das Reiten erlernt und ich sollte Tennis spielen. Das war für mich keine Option, ich wollte nicht die Tennisbälle gegen eine Wand schlagen", lacht Heidrun. Gerdi war Lehrpferd im Schloss Hellenstein, mein Bruder und ich haben auf ihr das Reiten gelernt und dann kam sie in unseren Besitz.

“1961 zog die Familie, samt Gerdi von Heidenheim an der Brenz (Schwaben) nach Frankfurt. "Damals hatten wir keinen Pferdehänger, so habe ich einen Güterwagon gemietet und bin mit Gerdi zusammen mit dem Zug nach Offenbach gefahren. Von dort aus ging es zu Fuß zum neuen Stall, Reitinstitut A. van Kaick, mein Vater fuhr die ganze Strecke mit dem Auto neben uns her. Da haben wir schön für Aufsehen gesorgt" erzählt Heidrun. "Ich erinnere mich noch genau an unsere erste Reitstunde bei Otto Marotzke. Am Anfang funktionierte alles ausgezeichnet, dann kam der Galopp und dem alten Reitmeister sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Als wir im Jagdgalopp durch die Halle breschten schrie er "Kinderschen, wir sind hier doch nicht im Wilden Westen". Heidrun lacht und sagt "Das war für mich und meinen Bruder eine spannende Zeit und es begann für uns eine schöne Reiterzeit".

1963 wurde Gerdi als Freizeitpferd verkauft und wir bekamen „Silene“, eine Hannoveraner Schimmel Stute mit hervorragender Abstammung. „Mein Bruder ist mit „Silene“ bis zur Klasse M gesprungen und ich war bis zur Klasse M in der Dressur aktiv. 1665 haben wir unsere Silberne Reitabzeichen mit „Silene“ abgelegt, und dann ging es auch die ersten Turniere, ich erinnere mich noch genau an diese Zeit. Es war alles so kameradschaftlich, man hat sich für die anderen mitgefreut, wenn sie platziert wurden. So wie heute auch, waren die Turniere meistens am Wochenende. Für die Zeit haben wir Silene oft bei einem Bauer in Turniernähe eingestellt und haben bei den Pferden im Stroh übernachtet. Herr Wilfried Schmidt, vom Reitinstitut A. von Kaick, war in dieser Zeit unser Turnierbetreuer und meistens mit dabei. Damals wurden die Protokolle noch bei den Richtern mit der Schreibmaschine geschrieben. Es war schon interessant, wie die Pferde auf den ersten Turnieren auf das Tippen der Schreibmaschinen reagiert haben. Auch wurden die Ergebnisse erst zum Schluss einer Prüfung bekannt gegeben. Im Gegensatz zu heute, wurden damals alle Ergebnisse erst am Schluss bei der Platzierung bekannt gegeben.“ Als die Stute Silene aus dem Turniersport in Rente verabschiedet wurde, durfte sie noch drei Fohlen auf die Welt bringen und hat ihr Pferdedasein genossen. „Ab diesem Zeitpunkt hatte ich eine ganze Weile keine eigenen Pferde. Ich habe viele Pferde zu Beritt bekommen.“ Erzählt Heidrun. „Ich habe 3-4-jährige Pferde angeritten und auf den Turnieren vorgestellt. Damals wurden die Prüfungen für junge Pferde Materialprüfung genannt. Es wurden alle drei Grundgangarten, das Gebäude des Pferdes und der Gesamteindruck des Pferdes als Reitpferd inklusive des Temperaments bewertet. Die Prüfungen waren da, um die jungen Pferde im Turniersport einzuführen. Den Wallach Vagabund und den Hengst Unkensee, habe ich in der Dressur bis zur Klasse M vorgestellt. Aber ich bin nicht nur Dressur geritten. 1976 war ich sogar einmal Jagdherrin und bin mit dem Pferd Florino die Jagd geritten.“ erinnert sich Heidrun Riedner.

Im April 1998 kam „Rocher“, ein fuchsfarbener Hesse, zur Welt. Von der Abstammung ist Rocher eigentlich ein Springpferd. Er kam zur Aufzucht mit einem Traber Hengst auf dem Neubergshof in Kleestadt auf die Weide. Mit vier wurde er behutsam von Heidrun angeritten. Rocher wollte von seiner Springabstammung nichts wissen, und wollte an den Hindernissen nicht so recht seine Beine heben. Mit 11 Jahren, startet er, zusammen mit Heidrun, seine Dressurkarriere und war von Anfang an immer vorne platziert. Ich bin mit Rocher bis zu den Klassen L um M gestartet, im Alter von 68 habe ich das Turnierreiten aufgehört. Ab da wurde Rocher von anderen Reitern auf dem Turnier vorgestellt. Rocher hat mit seinem Reiter zweimal den Kreismeistertitel der Klasse M* und Klasse M** gewonnen. Auch ist Stefanie Hladik mit Rocher in der S Dressur platziert gewesen. Rocher hat dann Probleme mit seinem Knie bekommen und konnte in den großen Klassen leider nicht mehr teilnehmen, da die Pirouette nicht mehr sauber geritten werden konnte. Rocher wurde am Knie operiert und wurde 2016 aus dem Turniersport verabschiedet. „Seit der Genesung reite ich Rocher oft im Gelände und wenn es seine Verfassung zulässt, fordere ich auch schon mal ein paar Lektionen in der Reithalle ab.“ erzählt Heidrun. „Mir ist es wichtig, dass er regelmäßig seine Bewegung erhält, damit seine Gelenke geschmeidig bleiben". Rocher und ich gehen seit 22 Jahren gemeinsam durch die Reiterwelt, wir sind ein Team und wir wissen beide beim Betreten der Box in welcher Verfassung wir sind. Wir sind zusammen 100 Jahre alt und müssen nichts erzwingen.“ „Im Laufe meiner 60-Jährigen Pferde- und Reiterfahrung war nicht immer alles einfach. Auch ich musste meine Knochen spüren, vom Übermut der Pferde sind bei mir auch so einige Knochen zu Bruch gegangen. Von Rippen, Arm, Becken und Wirbelsäule war alles schon mal gebrochen. Zurückblickend sind es großartige 60 Jahre, mit vielen Erinnerungen, Anekdoten und Erlebnissen, die einen als Mensch prägen und keines dieser möchte ich missen.“

Der Reit- und Fahrverein Babenhausen, bedankt sich bei Heidrun Riedner für 46 Jahre Mitgliedschaft. Wir schätzen Heidrun für ihre reiterlichen Erfolge und den immer sehr fairen Umgang mit Pferden und Menschen sehr. Wir bedanken uns für eine kleine Zeitreise, in das Damals bis Heute und wünschen ihr und Rocher noch viele gesunde Jahre miteinander.

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