Pferdesport der Extraklasse an mehreren Tagen (OF-Post)

Bericht Offenbach Post - 06.09.2021 (zah) 

Stilvoll durch den Parcours

Pferdesport – diesmal nicht vom Sattel, sondern vom Kutschbock aus ausgetragen: Besucher konnten beim Freilandturnier An der Schwedenschanz zwei Tage lang die Faszination des Fahrsports erleben. Der Reit- und Fahrverein Babenhausen zeigte mit seinem dritten Turnier dieser Art am Wochenende eine weniger prominente Seite der Zusammenarbeit von Pferd und Mensch.

Babenhausen - Kleine und große Rösser, ein-, zwei- und gar vierspännig gefahren, Sportler in eleganter Garderobe auf dem Kutschbock, strahlend blauer Himmel: „Das Bild spricht für sich“, sagt Ingo Dries, der vor wenigen Wochen noch zauderte, ob eine Turnierveranstaltung überhaupt möglich wäre. Pandemie-bedingt hatte der Vorstand sich zur Absage seines Reitturniers im Juli entschieden, um ein finanzielles Risiko vom Traditionsverein abzuwenden, einen Nachholtermin für das Kutschfahrturnier, das sonst bereits im Mai stattfindet, aber offen gelassen.

„Der Aufwand ist geringer als beim großen Turnier“, erklärt Dries – und mit vielen ehrenamtlichen Helfern haben sie es geschafft, in einer Hauruck-Aktion innerhalb von drei Wochen. Die Anlage wurde herausgeputzt, ein Hygienekonzept (3G-Regeln) auf die Beine gestellt und alles für Sportler und Gäste hergerichtet.

„Danke“, sagt Dries, der mit Ralf Geißler die Turnierleitung stemmt. „Das ist nicht selbstverständlich.“ Allein 120 Helferschichten gab es an den Veranstaltungstagen zu besetzen. In einer schweren Zeit sind auch die Sponsoren treu geblieben, allen voran die Brauerei Pfungstädter.

Fit auf den Punkt sind auch Letitia und Legende, die Haflingerdamen von Jörg Richter. Er geht als einziger Starter für den gastgebenden Verein zunächst in der M*-Dressur der Zweispänner an den Start. „Die Ponys sind bestens vorbereitet“, so Beifahrerin Steffi Härdtner, die beide Pferdchen unterm Sattel trainiert. Dressurreiten, an der Doppellonge arbeiten, viel Stangenarbeit: Das sind Disziplinen, in denen die Stuten gefördert und gymnastiziert werden, um dann auch vor der Kutsche schnell und wendig zu sein.

Das ist besonders im Hindernisparcours eine Herausforderung. Knapp einen halben Meter mehr als die Achsenbreite der Kutsche stehen die roten Kegel auseinander. Präzise also und möglichst schnell muss es durch die vielen Hindernisse gehen, die auf dem großen Springplatz arrangiert sind. Eckstern, ein eleganter Rappe, besticht hierbei durch einen raumgreifenden Trab. Jessica Wächter (RFV Wiesenhof, Obertshausen) kommt nicht nur fehlerfrei, sondern in einer schnellen Zeit durch den Parcours. Es ist der Sieg für Eckstein im M-Fahren der Einspänner. Nebenan wird es für die achtjährige Letitia und die erfahrene, dreizehnjährige Lene Ernst: es geht in die Dressurprüfung. Jörg Richter ist hoch konzentriert.

Zum Fahrsport kam er durch einen Zufall: „Wir haben ihm einen Holzrückkurs zu Weihnachten geschenkt“, berichtet Ehefrau Eva Richter. Bei der Waldarbeit mit nur einem PS fing Richter am anderen Ende der Leine Feuer für den Sport. Vor vier Jahren begann seine Karriere: Das Fahrabzeichen, weitere Qualifikationen und schließlich gar die Trainerlizenz – Richter gab Vollgas. Und hat den Sprung in den Hessenkader geschafft. Obwohl noch unerfahren, siegte er in seiner ersten Saison gleich in der A-Dressur und wurde Vierter im M. Seit einiger Zeit startet der Rödermarker für den RuF Babenhausen. „Der Fahrsport boomt“, freut sich Ingo Dries. Inzwischen hat der Verein wieder zehn Gespannfahrer. Und wem Tier und Equipment fehlen, der kann hier dennoch eine Ausbildung absolvieren. Wer am Wochenende auf einen Abstecher An die Schwedenschanz kam, der konnte sich leicht für die andere Seite des Pferdesports begeistern.

Für Jörg Richter ging ein erfolgreicher Tag zu Ende. Seine Haflingerdamen meisterten Figuren und Tempi im Dressurviereck – am Ende stand ein zweiter Platz. In der folgenden Prüfung fuhr er noch besser: Als einziger blieb er im Hindernisparcours der Klasse M fehlerfrei und siegte nach schneller Runde mit seinem Haflingergespann.  (zah)

Feines Händchen: Jessica Wächter (RFV Wiesenhof, Obertshausen) siegte in der M* Hindernisprüfung der Einspänner.

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